Geschichte der Russlanddeutschen vor 6 Monaten, 1 Woche
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Geschichte der Russlanddeutschen
Im Mittelalter:
Iwan III. war der erste in einer ganzen Reihe von Zaren, die ausländische Fachleute anwarben. So kamen die Deutschen nach Russland, von denen sich einige im neuen Machtzentrum Moskau dauerhaft niederließen.
Iwan IV. gelang es mit Hilfe der deutschen Söldner die bislang tatarischen Gebiete an der Wolga zu erobern. Nachdem auch die deutschen Söldner sich dann in Moskau niederließen, bildete sich die „Deutsche Vorstadt“ heraus. 1682 hatte Moskau etwa 200.000 Einwohner, 18.000 von ihnen waren „Nemcy“(=Deutsche).
Peter I.:
Peter I. ließ die neue Hauptstadt Sankt Petersburg erbauen (1703), wo von nun an die meisten der angeworbenen Fachleute lebten. Unter ihm gelangten viele Deutsch-Balten, die aus der Zeit des Deutschen Ordens hervorgegangen waren, unter russische Herrschaft. Neben dem Zugang zur Ostsee wollte er auch die nördliche Schwarzmeerküste erobern, was jedoch erst Katharina II. wirklich gelang.
Katharina II.:
Minister und Ratgeber kamen aus Deutschland und die Zarenfamilie der Romanows vermischte sich mit anderen europäischen Häusern. Die deutsche Katharina II. förderte die Kolonisation von kaum oder unbewohnten Gebieten, um so ein erhöhtes Bevölkerungswachstum zu erreichen. Durch diese Politik erhoffte man sich Macht und Reichtum für den Staat. Es kam noch hinzu, dass man einige Gebiete vor nomadisierenden Stämmen sichern wollte. Da die meisten russischen Bauern Leibeigene ihrer adligen Herren waren, warb sie vor allem im Ausland um Siedler. Ihr Einladungsmanifest von 1763 stellte ausländischen Siedlern eine Reihe von Privilegien in Aussicht:
-Religionsfreiheit
-Befreiung vom Militärdienst
-Selbstverwaltung auf lokaler Ebene mit Deutsch als Sprache
-Starthilfe
-30 Jahre Steuerfreiheit.
Auswanderungwelle nach Russland:
Die Motive auszuwandern ergaben sich aus den Folgen des Siebenjährigen Krieges, unter dem die deutsche Bevölkerung zu leiden hatten. Es herrschte Hunger und Leid, so dass viele beschlossen nach Russland auszuwandern.
Schon in den Jahren 1764-1767 wanderten rund 30.000 Deutsche nach Russland aus. Tausende überlebten die Strapazen, den Hunger und die Krankheiten während der langen Reise nicht. Erst bei der Ankunft wurde vielen klar, dass sie nicht mehr zu der Sorte von Einwanderern gehören sollten, die sich die Zaren in den Jahrhunderten zuvor ins Land geholt hatten. Weder durften die Handwerker unter ihnen ihren erlernten Beruf in den Städten ausüben, noch durften die Bauern sich selbst den Flecken Erde wählen, an dem sie sich niederließen. Stattdessen wurden einige dieser ersten Siedler in die ländliche Region um St. Petersburg, der überwiegende Teil aber ins Wolgagebiet bei Saratow geführt, wo sie alle eine landwirtschaftliche Tätigkeit ausüben mußten.
Pro Familie bekamen die Kolonisten etwa 30 Hektar Land zugesprochen, wobei jedoch Klima und Bodenbeschaffenheit dieses Landes völlig anders waren, als man es aus den heimatlichen Gebieten kannte. Und neben Schädlingen und Seuchen stellte sich als weiteres Problem die strategische Lage heraus, denn es kam immer wieder zu Überfällen durch Reiternomaden aus dem Osten, die ganze Siedlungen zerstörten und ihre Einwohner raubten und versklavten. Durch Gefangenschaft, Krankheit und Flucht verringerte sich die Zahl der Siedler allein innerhalb der ersten zehn Jahre um mehr als 7.000 Menschen. Die russische Regierung versuchte der Entwicklung durch weitere Kredite, entgegen zu wirken. Die überlebenden Siedler durften sich ab da selbst verwalten, indem sie ihre eigenen Dorfschulen und Zeitungen bildeten.
Kündigung des Sonderstatus:
Vom Alexander II. wurde dann die Abschaffung der Leibeigenschaft durchgeführt. Dies bedeutete auch eine Angleichung des russischen Bauernstandes an den der Deutschen. Danach kam eine Bodenreform, bei der allerdings die nun freien russischen Bauern nicht das Land zu gesprochen bekamen, auf dem sie bislang gearbeitet hatten. Viele arbeiteten daher als Tagelöhner bei deutschen Bauern. Dies führte nicht selten zu Neid unter der russischen Bauernbevölkerung.
Das Angleichungsgesetz aus dem Jahre 1871 sorgte dafür, dass der Sonderstatus der Russlanddeutschen allmählich aufgehoben werden sollte. So wurden die Selbstverwaltungseinrichtungen aufgelöst, russisch wurde Amts- und Schulsprache, der Militärdienst wurde verpflichtend. Diese Entwicklung kann nun einerseits als Förderung des Mitspracherechtes, und insgesamt der Integration, andererseits als Versuch einer Bevormundung der Russlanddeutschen angesehen werden. In Zeiten aufkommender Industrialisierung empfanden viele Russlanddeutschen diesen erzwungenen Ausbruch aus der Isolation zwar auch als Chance, gleichzeitig sorgten sie sich wegen der Deutschenfeindlichkeit im Land.
Antideutsche Stimmung:
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten 270.000 Schwarzmeerdeutsche in dreimal so vielen Dörfern wie die über 400.000 Wolgadeutschen . Um die Hauptsiedlungsgebiete herum, aber auch weit entfernt davon in Sibirien und Kasachstan, waren Tochterkolonien entstanden. Der Anteil der Deutschen in Russland wuchs durch die Zuwanderung aus dem ehemals polnischen Grenzgebiet noch weiter an. Diese Entwicklung und dazu noch der Neid gegenüber den durchschnittlich wohlhabenderen Russlanddeutschen in den Städten und Dörfern verstärkte die antideutsche Stimmung im Lande.
Erster Weltkrieg:
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Russlanddeutschen, von denen immerhin 300.000 Soldaten in der russischen Armee kämpften, als Verräter bekämpft. 1914 verbot der letzte Zar, Nikolaus II., den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit. 1915 gab es in Moskau Krawalle, Auschreitungen und Plünderungen gegen Deutsche. In diesem Jahr wurden in Russland deutsche Zeitungen verboten, es durften keine deutschsprachigen Bücher mehr gedruckt werden und kamen Gesetze mit dem Ziel heraus, die Deutschen an den Landesgrenzen zu vertreiben und später im ganzen Land zu enteignen.
Zweiten Weltkrieg:
Spätestens mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wurden die Russlanddeutschen wieder als innerer Feind betrachtet und heimlich in Listen erfasst. Verhaftungen angeblicher "Spione" oder "Sowjetfeinde" nahmen zu. Allein in der Ukraine wurden 1937 bis 1938 etwa 122.000 Deutsche zum Tode, 73.000 zu Haftstrafen von zumeist 10-25 Jahren verurteilt.
1941 begann der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Mit dem schnellen Vorstoß der Wehrmacht befanden sich ca. 20 % der Russlanddeutschen plötzlich unter NS-Herrschaft, was sie nur vorläufig vor Stalins Plänen schützen sollte, alle Russlanddeutsche in die Verbannung zu schicken. 1941 kam es osgar dazu, das Stalin auch die 100.000 Russlanddeutschen an der Front aus der ohnehin geschwächten Roten Armee entfernen ließ.
Deportationen:
Nach Beginn des zweiten Weltkrieges wurden mehr als 1 Million Russlanddeutsche entsprechend dem Erlass des Obersten Sowjets vom August 1941 innerhalb weniger Wochen unter dem Vorwurf des Verrats an Russland aus den europäischen Teilen der Sowjetunion nach Osten vorwiegend Sibirien, Kasachstan und in den Ural deportiert.
Familien wurden auseinandergerissen, die Menschen wurden mit Viehwaggons transportiert und irgendwo in den Steppen Kasachstans ‚abgekippt, wo sie sich Erdhütten gruben und mit Entsetzen dem bevorstehenden Winter entgegensahen.
Wieder andere wurden Kolchosen zugewiesen und mussten dort nach Überlebensmöglichkeiten suchen, die man den Faschisten eigentlich gar nicht zubilligte. Gleichzeitig wurden ihre staatsbürgerlichen Rechte aberkannt und ihr Eigentum bis auf ein geringes Handgepäck eingezogen. Die meisten von ihnen mussten in Arbeitslagern unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Mehrere Hunderttausend starben (ca. 700.000) in dieser Zeit.
Die Deutschen wurden der Sonderverwaltung (Kommandantur) unterstellt und praktisch zu rechtlosen Arbeitssklaven, die dann 1941 zusammen mit deutschen Kriegsgefangenen, darunter auch Zivilisten, in die sogenannte Trudarmee gesteckt wurden. Es mussten sogar 15-jährige bei minimaler Ernährung und bei mörderischer Kälte Schwerstarbeit z.B. im Wald, beim Eisenbahnbau oder unter Tage verrichten. Schätzungen zufolge hat etwa jeder dritte der etwa einen Million Russlanddeutschen diese Zeit nicht überlebt.
Nach der Kommandantur:
In Sibirien und Kasachstan wurden die Russlanddeutschen weitgehend von den anderen Sowjetbürgern getrennt in Sondersiedlungen angesiedelt. Diese unterstanden regelmäßig einer sog. Kommandantur mit strengen Meldepflichten, Ausgangsbeschränkungen und Diskriminierungen. Es herrschten lange Zeit lagerähnliche Zustände. Die Kommandantur wurde erst im Januar 1956 aufgehoben. Ab dieser Zeit durften sich die Deutschen wieder einen Wohnort nach Wunsch suchen, aber nicht in ihren früheren Siedlungsgebieten. Die deutschen Siedlungen in Sibirien und Kasachstan bestanden als Dörfer mit deutscher Mehrheitsbevölkerung weiter. Im Laufe der Zeit zogen auch Russen und andere Sowjetbürger dorthin.
Ausreise nach Deutschland:
August 1964 wurden die Russlanddeutschen durch ein Obersten Sowjets rehabilitiert. In den 60er Jahren begann auch langsam die Ausreise von einigen wenigen Russlanddeutschen in die Heimat ihrer Ahnen nach Deutschland. Aber auch in der DDR fanden einige Familien eine neue Heimat. Erst in den 80er Jahren und vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion wuchs der Strom der Aussiedler nach Deutschland an.
Das ist nur eine kurze Zusammenfassung über die Geschichte der Russlanddeutschen, natürlich gibt es da noch einiges mehr. Wer noch genauere Informationen über die Geschichte der Russlanddeutschen wissen möchte, der kann im Internet noch einiges mehr erfahren.