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Es ist ein schöner Tag 1973 in der DDR
Der Mai ist angenehm warm und eigendlich will ich nur ein wenig Zeit vertrödeln bis mein Bus aus der Kreisstadt Borna wider in,s Heimatdorf fährt .
Die Wärme hat offenbar die ersten Leute zu leichter Kleidung verführt .
Ich hatte einen Besuch im ehemaligem Betrieb , dem noch neuem nach sowjetischen Plänen gebaute Kraftwerk Thierbach , gemacht . So trifft man die alten Freunde am ehestem an , an einem Werktag …. zumal manche aus meiner Jugendzeit verzogen sind geheiratet haben usw . Während ich die Offiziershochschule besuche und das erste knappe Jahr in der Truppe hinter mir habe und nicht irgend ein,s , ein wirklich happiges , bei den Fallschirmjägern in Prora .
Ich bin mit mir zufrieden .
Ein Motorad , noch sehr neu , wird mir die beschränkte freie Zeit , den Weg hierher zu Eltern und Freunden verkürzen .
Wenn ich die Mädchen in den Minni – Röcken und Frauen in ihren luftigen Kleidern so sehe , macht es mir ein wenig das Herz schwehr dass offenbar alle mit Freund oder Mann unterwegs sind und ich keine Freundin habe .
Aber ich bin ja noch jung und die Richtige wird schon noch kommen , und dann werde ich zu Höchstform auflaufen , beruhige ich mich . Ich weis zwar nicht so genau , wie ich Sie erkennen würde und ich habe auch nicht gerade die allergrößten Erfahrungen mit Frauen , aber irgendwie , hoffe ich zumindest , wird schon was drann sein an Oma,s Gerede von der großen Liebe , bei der es den berühmten Knall macht .
Nunja ich sollte sie jedoch nicht erkennen und zu Höchstform schon gar nicht auflaufen .
Sie , heißt Ljudmila und ist Feldschehr der 6.Garde Jagdflieger Division der Sowjetischen Luftstreitkräfte in der GSSD , nutzt den freien Wochentag um noch ein paar Einkäufe zu machen .
Es ist kein Flugbetrieb in Altenburg , wo Sie neben Merseburg , als studierte Psychologin sonst an der Flugvorbereitung der Piloten teilnehmen müsste .
Im Grunde ist sie traurig , denn der Truppendienst hier gefällt Ihr nicht besonders , aber sie ist ja schon so gut wie abkommandiert .
Sie freut sich darauf , soll sie doch in Erfurt , einer anderen größeren , ihr da noch unbekannten Stadt hier in diesem ihr so fremdem Land , in einem zentralem Lazarett ein 3 Monatiges Praktikum machen . Es ist vor allem , neben der Unterbrechung schon gewohnter Routine , eine Herausforderung .
Wird sie doch dort erstmalig nach Studium und Armee-Ausbildung in einer Psychiatrischen Station lernen und arbeiten können .
Immerhin ist sie schon Unterleutnant und hat Ergeiz , aber mehr als verhältnismäßig unspektakuläre Heimweh – Patienten oder notgeile Piloten , die Junggesellen schon mal zum Alkohol neigend , hat sie bisher kaum betreut .
Aber jetzt ist sie verärgert . Sie hatte sich mit ihrer Freundin und Zimmerkameradin , eine Zivilbeschäftigte des Stabes , die Frau eines Piloten , verabredet zum Bummeln . Nur die , wie so oft , kommt wider mal zu spät .
Und so sitzt sie hier vor dem Rathaus der kleinen Stadt Borna , trinkt einen Tee …. beäugt von den vorbeigehenden Menschen , in ihrer Flieger-Uniform und belästigt von jenem jungem
Mann am Nebentisch .
Entweder er ist ein neunmalkluger Dummschwätzer denkt sie , oder aber er versucht mit ihr zu flirten .
Dann stellt er sich aber ziemlich blöd an stellt sie fest und muß , warum weis sie selber nicht , dabei lächeln .
Ob Sie Unterleutnant sei , fragte er . Und ob Sie medizinische Spezialistin sei , obwohl selbst der Dümmste das an ihren Epauletten erkennen kann .
Ein ulkiges Russisch noch dazu völlig falsch betont spricht er , aber selbst ihr Kichern darüber scheint ihn nicht abzuschrecken .
Sogar ob sie den Typ Pd 47 kennen würde , das ist ein Fallschirm (Als ob sie das nicht selber wüsste , hatte sie doch mit ebendiesem Typ ihre ersten Sprünge bei der DOOSAf gemacht ) fragt er . Nun zumindest scheint er eine gute Beobachtungsgabe er zu haben , der Mensch .
Oder hat er das Sprungabzeichen etwa beim Taxieren ihres Busens entdeckt , schleicht sich die Frage in ihr Gehirn – der Bastart !.
Endlich kommt die Freundin und sie kann los , missmutig beäugt von Ihm .
Und noch eine Weile denkt sie was sollte das denn ?
Daß er ihr noch ,aufstehend sogar , als sie an seinem Tisch vorbei sich schlängelte, sagte dass er jetzt 2 mal am Samstag gleiche Zeit hier sein würde .
Aber durch die Freundin abgelenkt , ihr bescheidenes Taschengeld nachrechnend ( das meiste ihres Soldes schickt sie stets der Mama Nachhause nach Uljanowsk an die Wolga ) hat sie ihn dann vergessen .
........
Erst als die Freundin ihre Stellung nutzend sie mal Nächtens anrief , auf ihrer neuen Station in Erfurt , und – so sind sie die Frauen – berichtete , "Er" hätte wirklich 2 mal am Samstag dort gewartet immer drei Stunden sogar ! , schleicht er sich wider hinein in ihre Gedanken .
Einmal sogar war er in Uniform wusste sie zu berichten , die Freundin die sich ihrer Neugierde nichtmahl schämt . Ein Kursant ist er . Leutnant , fast also ! fügt , sie spitz hinzu ( dass nennt sich nun Freundin - pah ! )
Und er hat ein Sprungabzeichen auch , wie es die deutschen Spezialisten tragen , berichtete sie .
Und ohne dass ihr das zunächst auffällt, findet er damit Zugang zu ihren Gefühlen , weckt ihre Neugier , und sie schimpft sich eine Närrin , so abweisend gewesen zu sein .
Und traurig ein wenig ist sie , darüber dass es das Schicksal so gar nicht gut mit ihr meint offenbar .
Uns beiden hatte , ohne fest Konturen anzunehmen , diese kurze Begegnung gut getan .
Und beide , wir waren ja noch jung und hatten das Leben noch vor uns ( ohne das jeweils vom anderem zu wissen ) hatten wir das Gefühl eine Schance verpasst zu haben . ......
Drei Wochen später hatte ich in Erfurt dienstlich kurz im dortigem sowj. Strandort Lazarett zu tun .
Wie ein Deschawü ( wie immer man das richtig schreibt ... ) hatte ich dort die „ Vision „ jene junge Fliegerin aus Borna gesehen zu haben . Aber das konnte ja ich sein .........
Und außerdem war ich , ich war ja als OS und im Praktikum auch erstmalig in einem sowjetischem Objeckt , noch dazu um einen arretierten Sowjet. Soldaten da abzuliefern , war alles ziemlich ungewöhnlich und ich abgelenkt .
*****
Sie hatte gesehen , dass den Fluhr entlang die DDR - Soldaten kamen .
Aber sie war in Eile , ein neuer Patient sollte kommen gleich . Doch als sie um die Ecke bog hatte sie kurz nur
zurück in den Gang geguckt .
Etwas irritiert , dass einer von denen sie ansieht , so wie man manchmal in Gedanken hochblickt - wenn man das Gefühl hat man wird beobachtet .
Der Blick , irgendwie war er seltsam gewesen , als erschrecke er . aber auf die große Entfernung ?
Sieh geht weiter mit ihren schnellen , wegen dem Rock kurzen Schritten .
Plötzlich bleibt sie stehen - mitten im Gang . Eine Schwester sieht sie verwundert an , mit leicht ironischem Blick . Sie steht da – als ob sie unbedingt einen Moment oder Gedanken zurück holen muß .
Sie kennt das , manchmal steht man und denkt , was wollte ich jetzt , oder man glaubt etwas Wichtiges vergessen zu haben .
Aber es will ihr nicht einfallen , es ist da , sie spürt es , aber sie weis nicht was .
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Eine Schwester kommt rein und plappert wie sie ihn , den neuen Pateinten , gebracht haben .
"Speznaz wahren das oder Fallschirmlande -Soldaten " sagt sie .
"Wiso dass ? " fragt Sie eigendlich uninteressiert zurück - So wie man plaudert eben .
Die Schwester sagt , "na ich hab sie mir doch angesehen , die trugen doch diese speziellen Schuhe -
Die mit den dicken Sohlen - keine Stiefel ! "
Und - mault sie beleidigt , "na denken Sie ,ich kann keine Fallschirmspringer - Schuhe erkennen ? "
Da klingelt es in Ihr - das ist es !!!!
Jetzt weis sie den Impuls dort im Flur zu deuten - und sie rennt ohne Kommentar aus dem Zimmer
Sie rennt gleich rechts ums Haus – das ist kürzer (alle sehen ihr bestürzt nach als ginge es um Leben oder Tod )
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Aber jetzt sieht sie , der UAZ mit dem Symbol der DDR , biegt aus dem KPP auf die Straße , beschleunigt und fährt schnell fort .
Sie bleibt stehen , enteuscht wie wenn einem der Zug vor der Nase weggfährt .
Und sie schimpft sich selber Aus , eine Idiotin bin ich , Einem fremden Mann nachlaufen !
Nochdazu in einer ganz anderen Stadt , Langsam bin ich selber reif für die Couch !
Und langsam , als währe sie nicht knappe 20 sondern 55 Jahre alt , stapft sie zurück zum Haus in die Station .
Und sie entschließt sich etwas Ungeheuerliches zu tun . Sie lässt sich eine Verbindung zu
" ihrem " Flugplatz bzw . der Nachrichtenzentrale der Division , machen und hat Glück , die Freundin ist sogar im Dienst und am Apparat .
Verotzschka ! freut Sie sich ..........
Sie hört , die Freundin hat wieder einmal 24 – Stundendienst , jetzt seit sie in Erfurt ist ,
muß sie und die anderen noch mehr Dienste übernehmen .
Sie schimpft , nicht ganz ernst gemeint , darüber und gibt eine kleine Zusammenfassung des Klatzsch und Tratzsch , der in der Woche dort kursierte .
" Aber Du willst doch was !- Engelchen" sagt Vera .
Und Sie bittet , ob Vera in Borna zum Markt gehen kann , wieder 14-15 Uhr .
" Bist du verrückt ? Genadi zerreißt mich ! Du kennst doch meinen Mustergatten ., "
Aber dann versöhnlicher gestimmt , na vielleicht ist das Wetter gut und wir können ja Eis essen gehen , sagt sie dann , sehr zu ihrer Erleichterung .
Wenn der Bastart kommt - was ich nicht glaube - steck ich Ihm einen Zettel zu .Verspricht sie .
Und " Sie " , jetzt im Bett liegend stellt sich vor , wie Vera " Ihm " den Zettel zusteckt ,
perfeckt wie eine Geheimagentin . Sie grübelt , ob er wohl verstehen wird und ob er wohl an ihre Postfachnummer schreibt .
Warum ausgerechnet dieser deutsche Bastard hatte Vera gefragt - Sie wusste keine Antwort
Und sie fragt nach am Sonnabend , aber es war kein Glück mehr . Er wäre nicht gekommen , Pech gehabt , aber vielleicht sehen wir ihn ja später mal wider ? .......... tröstet die Freundin später am Telefon .
Und sie liegt da und fragt sich warum die Menschen wohl so sind , wie sie sind .
***
Wochen später hatte ich nach einem Dienstunfall , einhergehend mit einer Gehirnerschütterung , Genesungsurlaub . Dienstunfall ist eine hübsche Umschreibung .
Denn daß ich bei der Festnahme eines sowjetischen Offiziers , eines desertierten und vermutlich traumatisierten Afganistanveteranen , den Dienstunfall erlitt erzählte ich Ihr erst viel später .
Sie begriff nicht , daß entgegen den sowj . Einsatzkräften welche meist kurzen Prozeß machten , die deutschen Kräfte meist eine Festsnahme zumindest versuchten und machte mir hefftige Vorwürfe .
Aber das war später , als sie mich schon lieb gewonnen hatte und nicht verlieren wollte .
Jedenfalls kam es so , daß ich wirklich dort war , in jenem Lazarett der Gruppe in Erfurt , den verletzten Afgansky abzuliefern . Übrigens soll er aufgrund seiner Traumatisierung zwar aus der Armee geschmissen worden , aber lebend in die Heimat gekommen sein . Was ja nur für die wenigsten Deserteure damals zutraf .
Ich bin also als geheilt entlassen und bei meinen Eltern . Dort im Energie und Chemie Kreis wie man ihn so schön nennt . Ich fühlte mich wohl , abgesehen davon , dass ich mich unsicher fühlte , wenn ich Bus fahren musste .
Und so bin ich wider einmal nach Borna gefahren und versuche jetzt zu Fuß die Übelkeit zu vertreiben .
Und jetzt mit dem Abstand und dem Wissen , ich hätte leicht tot sein können gefällt , es ihm hier zu flanieren . Obwohl eigendlich vom Chemie -Werk Espenhain oder Böhlen durch ne Reihe Tagebaue oder Tagebau - Restlöcher ,
und auch in der Stadt vom Teich abgesehen , wenig schönes ist .
Ich sehe mir gerade eine Auslage des Bücherladens an , als hinter mir die Reifen eines LKW quietzschen .
Eine alte , total verbeulte und ziemlich skandalös aussehende Möhre von Militär - LKW der Russen . So einen , aus dem sogar ein ordinäres Ofenrohr aus dem Dach kommt , und wie es in meiner Armee nie geben würde , sind sie doch die roten Preußen , wie ich manchmal scherzhaft sage .
Die Frau , die aus der Beifahrertür springt , rennt direkt zu mir .
Sie sieht das lange Pflaster auf meinem Kopf und die durch die Rasur , extrem kurzen Haare .
Sie nimmt meine Hände - in jede Hand eine ( Ich bin verblüfft , ich kenne sie nicht und finde es komisch )
Sie schnattert , ich verstehe kein Wort , aber er sie ist furchtbar aufgeregt ....
Dann begreife ich - ich soll unbedingt hier auf dieser Stelle stehen bleiben.
Sie vergewissert sich , ich habe verstanden , ja - ich werde hier warten , sage ich mit dem Kopf nickend .
Und zögernd , sich immer wieder umblickend , sogar aus dem LKW – fährt sie ab die ‚verrückte Russin .
Ich glaube zu begreifen , langsam , vielleicht war es damals , "die Andere" und jetzt , auf einmal wird mir fast schwarz vor Augen , werde auch ich aufgeregt .
Und ich beginne - wie ein Gardesoldat - vor dem Buchladen auf und ab zu paradieren , immer wider beide Richtungen nach Ihr absuchend mit den Augen .
Kurz darauf kommt ein Jeep und darin sitzt Sie . Und sie ist es wirklich ! und sie springt aus dem Jeep und fällt mir um den Hals .
Alle Worte die ich Ihr sagen wollte sind weggefegt , mein Kopf ist leer und ich steh da wie ein Depp .
Der Jeep wendet ohne Rücksicht auf den Verkehr , der sich staut und das und wir beide mitten auf dem Gehweg allen im Weg stehend sorgen für Unmut und Gebrabbel von blöde Russen oder so , aber das kriege ich nur nebenbei wie durch Watte gedämpft , mit .
Mir wird schwindelig , natürlich nur wegen der Gehirnerschütterung , entschuldige ich mich , und sie „ Wissend „ lächelnd nimmt einfach meinen Arm und wir staksen rüber auf den Markt vor das Rathaus , zu unserem Tisch an dem wir uns das erste Mal trafen .
Und uns gegenseitig fragend und ergänzend , bei Versprechern gemeinsam lachend , können wir es offenbar beide noch nicht richtig fassen . Wir haben uns wider gefunden und es ist als würden wir uns schon ewig kennen .
Und später , vor allem als die Kinder fragten wie es war damals , behaupteten wir beide unabhängig voneinander ( sie waren schlau , haben uns getrennt „ verhört „ , ) da schon hätten wir gewusst , es würde für immer sein .
In Wirklichkeit wusste ich das noch nicht , sondern war nur von ihrer spontanen Geste der Umarmung und Zuneigung beglückt . Aber je näher ich sie kennen lernen durfte , umso mehr begriff ich ein Glückspilz zu sein . So eine nicht nur hübsche sondern auch kluge und starke Frau gewonnen zu haben .
Und in all den Jahren mischte sich in den Stolz auf sie , aber auch immer Angst um sie , zumal wenn ich sie im Einsatz wusste .
Ich hätte jederzeit mein Leben hergegeben für sie oder die Kinder und ich weis , daß Sie das stets voraussetzte . Ebenso wie , ohne daß sie das jemals gesagt hätte zu mir , Sie das ihre gegeben hätte , hieße es uns zu schützen .
Vielleicht ist es das was uns zusammenschweißte in allem was noch folgen sollte .
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